Written by Reisen

Perlusa

Wie zu erwarten war, wimmelt es auf meinem Weg vor Straßenhunden. Oder um ein Lehrerehepaar, das auf einer zwölfstündigen Busreise einmal vor uns saß zu zitieren:
„Ach! Hier gibt es ja also wirklich viele Hunde!“
„Ja genau! Da könnte man doch glatt ein Hundebuch schreiben (mit verstellter Stimme): `Also ich gehe jetzt in die Stadt. Ist mir doch egal was die anderen machen…´“.

Susann und ich warten an der Hafenmole von Ushuaia auf unsere schweizer Mitreisende. Als ich einen Apfel aus einer laut raschelnden Plastiktüte hole, steckt auch sofort eine Hundenase darin. Eigentlich füttere ich keine Hunde, aber da mir diese Schnauze doch so sympathisch und mir langweilig war, biete ich Apfel an. Nach kurzem Beschnuppern wird der Apfel, da wohl weniger appetitlich, links liegen gelassen. Mein guter Wille wird aber sofort mit der Hundeschnauze auf meinem Schoß und einem Blick, der Gletscher schmelzen könnte, gewürdigt. Eine Familie setzt sich neben uns und beginnt nach einer Weile den Hund mit echten Leckereien (Wurstbrötchen!) zu versorgen. Zu meinem Erstaunen aber, wird die Kinderschar mit den Delikatessen in den Händen plötzlich uninteressant, als wir aufstehen und losgehen. Die Hundedame folgt, setzt sich brav, wenn wir stehenbleiben, um einen Augenblick lang die Aussicht zu genießen (angeberisch rufe ich dann: „Sitz!“) und wartet sogar – ganz wohlerzogener Hund – vor allen Geschäften auf uns.

Ganz offensichtlich zeigt sich der Vierbeiner von seiner besten Seite. Sie sucht Anschluß. Und so süß! Gibt es nicht eine Möglichkeit sie mitzunehmen? Nein, Busfahren, Schifffahren, Hostals und all das, das geht nicht. „Wäre das jetzt schön, wenn wir herausfinden würden, dass sie einen Besitzer hat“, wirft Susann in unsere Bemühungen ein, unser Herz nicht weiter den Hund zu verlieren. Als zwei fesche Rüden unseren Weg kreuzen, waren diese dann doch attraktiver als wir Menschen und der junge Hüpfer macht uns den Abschied leicht und jagt davon.

Nach einem ereignisreichen Tag kehren wir in unser Hostal zurück. „Guck mal!“, ruft Susann und, es ist kaum zu glauben, liegt dort nach einem ereignisreichen Tag zufrieden schlafend unsere Freundin im Flur! Es gibt ein großes Hallo: Ja, sie gehöre dem Rezeptionisten und heiße Perlusa. Na sicher wüßte der, dass Perlusa den ganzen Tag im Zentrum war. Das mache sie immer, liefe den Touristen hinterher. Ein wenig verrückt sei sie halt.

Am nächsten Morgen brechen wir auf. Perlusa leistet uns noch beim Frühstück Gesellschaft und geleitet uns bis zur Hafenmole, an der unser Schiff nach Puerto Navarino ablegen wird. Dann kreuzen zwei fesche Rüden Perlusas Weg und sie jagt davon.

Geschrieben in: