Written by Reisen

Von einer die auszog …

Die Frage „Was machst du eigentlich hier in Südamerika?“ oder „Was machst Du eigentlich da drüben in Südamerika?“ veranlasst mich, an dieser Stelle noch einmal die Rahmenhandlung zu erzählen:

Am 1. September 2005 stieg ich zusammen mit meinem ASA-Projektpartner Florian in Frankfurt in ein Flugzeug, das uns mit einem Zwischenstop in Atlanta nach Lima/Peru brachte. Die nächsten beiden Wochen reisten wir gemeinsam über Ayacucho, Cuzco, Machu Pichu und Puno am Titicacasee nach La Paz (s. Tagebucheinträge bis einschließlich „3,8 km dichter am Himmel“).

In La Paz arbeiteten Florian und ich bei einer Nichtregierungsorganisation, die hauptsächlich politische Aufklärungsarbeit im Bereich Gesundheit und Menschenrechte leistet. Für dieses dreimonatige Projekt sind wir von der deutschen Organisation ASA ausgesucht worden und hatten uns auf den beiden je einwöchigen Vorbereitungsseminaren kennen gelernt. In La Paz entwickelten wir Informationsmaterial, organisierten und leiteten einen Workshop mit Jugendlichen und beteiligten uns an der laufenden Arbeit der bolivianischen Organisation.

Eine Zahnoperation mit vorhergegangener, wochenlanger Wurzelbehandlung ließ mich auch ganz persönliche Erfahrungen mit dem bolivianischen Gesundheitssystem sammeln. Allerdings gilt hier ebenso: mit Geld ist die beste Behandlung, die gleichzeitig die beste Zahnbehandlung war, die mir je zuteil kam, zu haben. Trotz Arbeit und Krankheit blieb mir noch ausreichend Zeit um Land und Leute zu erkunden (s. Einträge „Se busca departamento“, „Alltag“, „Bolivia“ und „Workshop“).

Mitte Dezember dann, war meine Zeit in Bolivien beendet und auch Florian flog zurück nach Deutschland. Über die Grenze mit Peru reiste ich nun, zunächst allein, nach Chile ein. Ein paar Tage verbrachte ich in Arica, um dann eine Woche lang in Iquique zum Surfen hängen zu bleiben. In Windeseile besuchte ich noch die Kupfermiene Cuquicamata und das Dörfchen San Pedro in der Atacamawüste, bevor mich eine 24-stündige Busfahrt kurz vor Weihnachten in die versmogte 5-Millionen-Stadt Santiago de Chile brachte. Hier wohnte ich insgesamt zwei Monate bei Susann und Claudia.

Die beiden arbeiten ebenfalls in einem ASA-Projekt; als Physio- und Ergotherapeutinnen in einem Armenviertel, in dem wir auch lebten. Diese zwei Monate in der „Fünften Schönen“ waren unterbrochen von Sylvester in Valparaiso und meinem Aufenthalt in dem Küstenort Pichilemu, wo ich aufgrund einer Entzündung im Oberschenkel, die ich mir nach einer knappen Woche zugezogen hatte, alle sechs Stunden im örtlichen Krankenhaus ambulant behandelt werden musste. Als ich nach beinahe drei Wochen immer noch medizinischer Betreuung bedürftig war (aber nicht mehr ganz so häufig) und klar war, dass ich zunächst meine Reise nicht würde fortsetzen können, kehrte ich zu Susann, Claudia und zu unserer chilenischen Vermieterin Gabi nach Santiago zurück.

Von dort aus brach ich am 10. Februar, gemeinsam mit Susann, zu unserer über vierwöchigen Reise nach Patagonien auf. Unsere Stationen: Puerto Montt, mit dem Schiff durch die chilenischen Fjorde nach Puerto Natales, Punta Arenas, Ushuaia, Puerto Williams, Calafate, Penisula Valdés, Esquel, Bariloche, Mendoza und zurück nach Santiago. Dort angekommen war und bin ich nach wie vor, sehr zufrieden damit, mich der Sesshaftigkeit hinzugeben, die die letzten zwei Wochen nur von einem Abstecher in die Seenregion mit meiner Mutter, unterbrochen wurde. Jetzt lebe ich in einer sehr netten WG in einem guten und zentral gelegenen Viertel, zusammen mit einer finnischen Studentin und einem chilenischen Informatiker, der mir gemeinsam mit seinem Bruder, einem Architekten, geduldig alle meine Fragen zu Chile beantwortet (siehe alle übrigen und noch folgenden Einträge).

Am 1. Mai dann, wird mein zweimonatiges Praktikum im Goethe-Institut beginnen. Dort werde ich sowohl in der Pressestelle, als auch in der Programmabteilung, die den Austausch von Künstlern organisiert, mitarbeiten. Am 10. Juli 2006 werde ich dann voraussichtlich wieder in Hamburg sein. So wie ich es jetzt beurteile, mit mindestens anderthalb weinenden Augen.

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