Written by Reisen

Wann ist eigentlich Weihnachten?

Nachdem ich meinem neunjährigen Cousin Julian am Telefon auf Nachfrage („Also sag mal Sarah, bei Euch ist es ja noch nachmittags und hier ist schon Schlafenszeit. Wie machst Du das denn? Schläfst Du dann jetzt?“) die Sache mit der Zeitverschiebung erklärt hatte, setze ich noch einen oben drauf: „Und weil Chile auf der Südhalbkugel liegt, ist hier Sommer und nicht Winter. Kannst Du Dir vorstellen, dass ich an Weihnachten bei über 30 Grad im Garten sitzen werde?“

„Ach, dann ist bei Euch also gar nicht Weihnachten?“
So unrecht hatte Julian gar nicht, denn irgendwie war wirklich nicht Weihnachten. Der Tag stimmte zwar, schon seit Wochen hing Weihnachtsschmuck zwischen den Palmen und die Santiagoer Innenstadt war genauso unerträglich wie die Mönckebergstraße kurz vorm Vierundzwanzigsten, aber die Hitze? Und der unentwegte Sonnenschein? Das Vogelgezwitscher?

Die Erdbeeren und die Blütenpracht? Von Weihnachtsstimmung konnte nicht die Rede sein und hätte unsere Vermieterin Gabi nicht einen schief-tönenden und nervraubenden Weihnachtsbaum auf ihrer Terrasse stehen, so hätte ich Weihnachten fast vergessen können.

Kein Plätzchenbacken, kein Plätzchenessen, keine Geschenke in letzter Minute kaufen, keine Familienfeiern, keine Arbeit beim Pflegedienst und wegen der deutschen und chilenischen Schneckenpost noch nicht einmal Geschenke zum selber Auspacken.
Und was macht man an Weihnachten im Sommer? Ganz klare Sache: Grillen natürlich, zusammen mit den deutschen Freiwilligen, die hier in der Gemeinde arbeiten, in der Messe „Oh Du fröhliche“, „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und „Oh Tannebaum“ vortragen, über die nächtliche Kinderparty auf der Straße staunen (Bescherung ist in Chile erst nach Mitternacht) –

nein, das hier ist sie nicht! das Bild ist auf dem Rückweg von der Kirche aufgenommen worden – und den Ersten Feiertag zum Verdauen im Freibad verbringen!

Geschrieben in: